Der begehbare RaumklangKörper

Charakteristisch für den begehbaren RaumklangKörper ist der künstlerisch-poetische Umgang mit dem architektonischen Raum. Dieser wird durch die artifizielle Transformierung des Rohmaterials „Raum vor Ort“ initiiert, um den komponierten Klangraum durch die dreidimensionale Bewegung der Klänge zu öffnen und Zustände des akustischen „Spezifisch-Werdens“ von architektonischem Raum zu ermöglichen.

Die Lautsprecherkonfiguration eines begehbaren RaumklangKörpers umfaßt fast immer den gesamten architektonischen Raum. Meistens sind die Lautsprecher ringsum an den Wänden entlang auf verschiedenen Höhenebenen plaziert, so daß der Besucher – umgeben von dem Lautsprecherkörper – sich im Raum frei bewegen kann, um unterschiedlichste Hörperspektiven zu erfahren.
Spezifische Klangräume entstehen, die u.a. durch die speziellen Eigenschaften der jeweiligen Architektur geprägt werden. Es vollzieht sich quasi eine „akustische Topographierung“, so daß die Dimensionen des imaginären Hörraums und des real „schallenden“ Klangraums sich verweben und einen Zustand eines spezifischen Raum-Zeit-Kontinuums kreieren.
Durch den Aspekt der Permanenz erhalten diese Zustände in ihrem Gleich-Sein /-Bleiben und ihrer ständig variierten Wiederholung eine gewisse Authentizität des „Wirklichen“.

Für den Rezipienten schaffen realer Raum und bewegter Klangraum spezifische Synergien. Der imaginäre Vorstellungsraum entwickelt sich (durch den bewegten Klang und die eigene Bewegung) innerhalb des realen Raums. Hier geschieht gewissermaßen eine Aufhebung der „wirklichen“ Raumgrenzen. Mentale Prozesse der Ortsveränderung werden initiiert, die – obwohl imaginär und losgelöst – gerade auch durch den inszenierten „realen“ Ort mit seiner entsprechenden Klangarchitektonik evoziert werden.
Ein spezifischer Raum entsteht, um die Wahrnehmung selbst spezifisch werden zu lassen.

Abbildung 5
Abbildung 5

Die abgebildeten begehbaren RaumklangKörper (Abb. 5 und 6) sind Bestandteil des 4-teiligen RaumklangInstallationsprojekts „Sonic Lines n´Rooms“.
Das vierteilige Gesamtensemble – mit einer 32-kanaligen Raumklangkompostion für 4 x 8 Lautsprecher – ist die erste Produktion des Künstlerpaares zur gleichnamigen Projektreihe „Sonic Lines n´Rooms“. Die Reihe verknüpft die zwei verschiedenen Raumklang-Installationsarten „umgehbarer RaumklangKörper“ und „begehbarer RaumklangKörper“, die je nach Projekt einzeln oder kombiniert zur Anwendung kommen.

Abbildung 6
Abbildung 6

Der RaumklangKörper 3 aus „Sonic Lines n´Rooms“ wurde im Jahr 2000 als einzelner begehbarer RaumklangKörper bei der „KlangArt Buch“, veranstaltet von der Akademie der Künste Berlin, uraufgeführt. Die erste konzertante Aufführung der RaumklangKomposition „Sonic Lines n´Rooms No.3“ fand im selben Jahr in Rotterdam (NL) im Rahmen der „v_2“-Veranstaltungsreihe „Time-Based Space“ statt.
Der RaumklangKörper 4 aus „Sonic Lines n´Rooms“ wurde zum erstenmal im Rahmen des Festivals MIX.01 in Aarhus (DK) 2001 einzeln präsentiert und die RaumklangKomposition „Sonic Lines n´Rooms No.4“ im Rahmen des 10th Florida Electroacoustic Music Festival in Gainesville (USA) uraufgeführt.

Natürlich gibt es auch vielfältige Mischformen der drei beschriebenen Raumklang-Installationsarten (RaumklangObjekt, umgehbarer und begehbarer RaumklangKörper), wovon nachfolgend zwei Möglichkeiten exemplarisch vorgestellt werden.