{"id":710,"date":"2016-08-13T20:12:15","date_gmt":"2016-08-13T20:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/?page_id=710"},"modified":"2023-09-12T10:30:07","modified_gmt":"2023-09-12T10:30:07","slug":"prosaphonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sabineschaefer.de\/?p=710&lang=de","title":{"rendered":"ProsaPhon(ie)"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"size-medium wp-image-718\">Eine sonotopologische KlangSprachKonsistenzMaschine<\/h4>\n<p class=\"textnormal\">mit Textlinien von Konrad Bayer<br \/>\nStimmen: Rufus Beck, Peter Fitz, Friedhelm Ptok<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Komposition und Realisation: Sabine Sch\u00e4fer und Joachim Krebs<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Produktion: SWR 2002<br \/>\nUrsendung: SWR 2 Radio-Art H\u00f6rspiel, 10. Oktober 2002, 21h<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Als Versuch einer &#8222;Topologie der Sprache&#8220; hat Konrad Bayer (1932-1964) seine \u201aWortverschr\u00e4nkungstexte&#8216; verstanden, in denen &#8211; wie im Text &#8222;flucht&#8220; &#8211; in endloser Kette die letzte Silbe eines Wortes die erste Silbe des n\u00e4chsten bildet. &#8222;Wenn man Prosa im Sinne des \u201aErz\u00e4hlfadens&#8216; als etwas Lineares versteht&#8220;, sagt Gerhard R\u00fchm, dann sei &#8222;Konrad Bayer mit der \u201aflucht&#8216; der totale Prosaist&#8220;. &#8211; Die linearen Strukturen aus diesem und zwei weiteren Texten des Wiener Experimentators Konrad Bayer werden im H\u00f6rst\u00fcck des Komponisten- und Medienk\u00fcnstlerpaares &lt;sabine sch\u00e4fer \/\/ joachim krebs&gt; zu einer Konsistenz-Maschine aus Sprache und Klang, die selbstl\u00e4ufig erscheint, aber eine hochdramatische Spannung entwickelt.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Gerade durch die blockartige und sukzessive Gegen\u00fcberstellung von Klang und Sprache, in Form einzelner, artifiziell gestalteter sogenannter Klang- und SprachMilieus &#8211; welche an ihren R\u00e4ndern auf vielf\u00e4ltigste Art, nicht nur akustisch, miteinander verwoben sind &#8211; wird es dem H\u00f6rer m\u00f6glich, die &#8222;inneren&#8220;, rein klanglichen Intensit\u00e4ten der vom K\u00fcnstlerpaar, erst mit Hilfe computergest\u00fctzter, digitaler Aufnahme-, Schnitt- und Montagetechniken, produzierten &#8222;SprachklangLinien&#8220; deutlicher wahrzunehmen.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Um auch die Rezeption der &#8211; vor allem mittels des Prozesses der sog. &#8222;Klangmikroskopierung&#8220; durch diverse Samplingtechniken &#8211; differenziert gestalteten multidimensionalen R\u00e4umlichkeiten der akustischen Mikrostrukturen der in dieser &#8222;KlangSprachKomposition&#8220; verwendeten Ger\u00e4usch- und Klangmaterialien aus der menschlichen Um- und Arbeitswelt sowie der Tier- und Natursph\u00e4re zu intensivieren, wird der Gebrauch von Kopfh\u00f6rern von den Autoren nachdr\u00fccklich empfohlen.<\/p>\n<h4 class=\"ueberschriftklein\"><a href=\"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/textmontage_partitur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-715 size-medium\" src=\"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/textmontage_partitur-212x300.jpg\" alt=\"ProsaPhon(ie) Partiturausschnitt mit den Textzeilen 9 bis 11 aus &amp;lt;stadt&amp;gt;\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/textmontage_partitur-212x300.jpg 212w, https:\/\/sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/textmontage_partitur.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/h4>\n<h4 class=\"ueberschriftklein\">Werk-Text zu ProsaPhon(ie) &#8211; eine sonotopologische KlangSprachKonsistenzMaschine<br \/>\nmit den Textlinien &lt;flucht&gt;, &lt;stadt&gt; und &lt;der die mann&gt; von Konrad Bayer<\/h4>\n<p class=\"textnormal\">Alleiniges Sprachklangmaterial der radiophonen Komposition ProsaPhon(ie) bilden die, von den drei Schauspielern (Peter Fitz, Friedhelm Ptock und Rufus Beck) gesprochene, 1962 entstandene Prosatexte &lt;flucht&gt;, &lt;stadt&gt; und &lt;der die mann&gt; des \u00f6sterreichischen Schriftstellers Konrad Bayer, der im Umfeld der sog. \u201cWiener Gruppe\u201d um Artmann, Achleitner, R\u00fchm und Wiener lebte und arbeitete.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Die von Konrad Bayer \u201eaus der Skepsis an der Kommunikationsf\u00e4higkeit von Sprache\u201c (R\u00fchm) heraus entwickelten autonomen, literarischen Techniken der quasi analytischen Sprachbehandlung, f\u00fchrte u.a. im Sp\u00e4twerk Bayers (er starb 1964 durch Freitod) zu der Sprachmontagetechnik der <span class=\"textfett\">Wortverschr\u00e4nkung<\/span>. Diese Verfahrensweise &#8211; von Bayer ausdr\u00fccklich als \u201c<span class=\"textfett\">Topologie der Sprache<\/span>\u201d bezeichnet &#8211; basiert auf dem Prinzip der Gleichheit des rein klanglichen Anteils einzelner Worte oder Wortsilben bei gleichzeitiger Vieldeutigkeit der semantischen Bedeutungsebenen.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Diese Art der Sprachbehandlung, insbesondere bei den Prosatexten &lt;stadt&gt; und &lt;flucht&gt; zeigt mit der Tendenz zur Verklanglichung von Sprache \u201ean sich\u201c nicht nur, wie man zuerst vermuten k\u00f6nnte, deutliche Affinit\u00e4ten zum Dada(ismus), bei dem jedoch oft die Semantik zugunsten der \u201cMusikalisierung von Sprache\u201d v\u00f6llig aufgel\u00f6st erscheint. Die durch die Wortverschr\u00e4nkungstechnik verursachte Beschleunigung der ununterbrochen weiterflie\u00dfenden Semantikschichtungen, bei gleichzeitiger Erh\u00f6hung der \u201eEreignisdichte\u201c der unterschiedlichsten Bedeutungsebenen, offenbaren auch vielf\u00e4ltigste Bez\u00fcge zu den aktuellen Entwicklungen in der durchrhythmisierten Sprachbehandlung der neueren Hip-Hop-Szene.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Schon Gerhard R\u00fchm, der Herausgeber des Gesamtwerks Bayers, wies im Anhang zu dem Wortverschr\u00e4nkungstext &lt;flucht&gt; auf die Unzul\u00e4nglichkeiten der Pr\u00e4sentation dieser Sprach(Klang)Konsistenzexperimente in Buchform als reiner Lesetext hin. Er beschrieb auch Konrad Bayers ersten eigenen Pr\u00e4sentationsversuch, diesen Text als quasi unendlich fortlaufende Spirale rezipierbar zu machen, indem er ihn auf ein, um die eigene Achse rotierendes, zylindrisches \u201cmobiles element\u201d (leses\u00e4ule) auf- und in Bewegung brachte.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Diese Problematik der Pr\u00e4sentation der Texte (und die Bemerkung R\u00fchms: \u201c- wenn man prosa im sinne des \u00b4erz\u00e4hlfadens\u00b4 als etwas lineares versteht, und das erscheint nicht abwegig, ist konrad bayer mit der &lt;flucht&gt; der totale prosaist\u201d) forderten uns heraus, mit Hilfe digitaler, mehrspuriger Sprach- und Klangaufnahmetechniken und deren Bearbeitungsm\u00f6glichkeiten via Computerschnitt und Sampling-Technik, vielleicht ad\u00e4quatere und den eigentlichen Intentionen des Autors gerechter werdende, <span class=\"textfett\">auditive<\/span> Rezeptionsm\u00f6glichkeiten der Prosatextlinien \u2013 ohne falsche Unterbrechung durch Zeilenumbruch \u2013 zu entwickeln.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Dabei kam es uns vor allem darauf an, die <strong><span class=\"textfett\">Multidimensionalit\u00e4t der semantischen Texturebene<\/span><\/strong> herauszuarbeiten, um sie &#8211; bei gleichzeitiger, konsequenter Beibehaltung der <span class=\"textfett\"><strong>kontinuierlich-eindimensional<\/strong> angelegten phonetischen Textlinien<\/span> &#8211; in ihrer <span class=\"textfett\">multi-linearen Mehrdeutigkeit<\/span>, als einen vom Rezipienten in jedem Augenblick wieder neu zu leistenden, wandelbaren Wahrnehmungsprozess verschiedenster Deutungsm\u00f6glichkeiten erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Somit werden einerseits die Ambivalenz des <span class=\"textfett\">nur ein<\/span>deutigen, semantischen Sinnbegriffs von Sprache und andererseits die potentiellen, vegetativ-organisch nach allen Richtungen hin vieldeutigen Semantik-Konsistenz-Linienvernetzungsm\u00f6glichkeiten &#8211; mit ihren jeweiligen rein klanglichen Qualit\u00e4ten &#8211; f\u00fcr den Radioh\u00f6rer auf eine neue Art erfahr- und h\u00f6rbar gemacht.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Die Produktion dieser transparent durchh\u00f6rbaren, multidimensionalen Semantikschichtungen \u2013 bei gleichzeitiger Wahrung der eindimensional angelegten \u00e4u\u00dferen Form der Textlinien \u2013 gelingt umso mehr, wie die \u201cinneren klanglichen Intensit\u00e4ten\u201d von Sprache durch eigendynamisch erzeugte und k\u00fcnstlerisch hoch-artifiziell gestaltete Selbstintensivierungsschleifen (Loops !) nach au\u00dfen gebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textnormal\">Getreu der sonotopologischen Devise \u201cjedem Wort seinen Ort \u2013 jedem Klang seine Zeit\u201d kommt der artifiziellen, <strong><span class=\"textfett\">r\u00e4umlichen<\/span> <\/strong>und <strong><span class=\"textfett\">zeitlichen<\/span> <\/strong>Gestaltung der SprachklangLinien eine gro\u00dfe Bedeutung zu. Durch die beschleunigte oder verlangsamte, k\u00fcnstlerisch rhythmisch gestaltete und r\u00e4umlich gesetzte <strong><span class=\"textfett\">SprachklangBewegung<\/span> <\/strong>mutieren dabei einzelne \u201cWort-Punkte\u201d zu frei im Raum flottierenden, vegetativ wuchernden <strong><span class=\"textfett\">SprachklangLinien<\/span><\/strong>. W\u00e4hrenddessen entsteht dabei ein permanent zwischen Sprache und Klang \/ Semantik und Phonetik fluktuierendes \u201eZwischenplateau\u201c als akustische Konstruktions- und Repr\u00e4sentationsmatrix zur Komposition solch einer<strong> <span class=\"textfett\">imagin\u00e4ren SprachklangKonsistenzMaschine<\/span><\/strong>.<\/p>\n<h4>Partiturausschnitt mit Klangbeispiel zur Textzeile 11 aus &lt;stadt&gt; schwebetonfarbenzind\u00e4mpfelsenkrechtsumhervorwarnfeuerschein\u00f6de\u00a0 (Konrad Bayer, 1962)<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/zeile11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-718 size-medium\" src=\"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/zeile11-300x138.jpg\" alt=\"Partiturausschnitt mit Klangbeispiel zur Textzeile 11 aus &amp;lt;stadt&amp;gt; schwebetonfarbenzind\u00e4mpfelsenkrechtsumhervorwarnfeuerschein\u00f6de (Konrad Bayer, 1962) \" width=\"300\" height=\"138\" srcset=\"https:\/\/sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/zeile11-300x138.jpg 300w, https:\/\/sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/zeile11.jpg 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-710-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/stadt_Zeile11.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/stadt_Zeile11.mp3\">http:\/\/www.sabineschaefer.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/stadt_Zeile11.mp3<\/a><\/audio>\n<p class=\"textnormal\" align=\"right\">&lt;sabine sch\u00e4fer \/\/ joachim krebs&gt;, 2002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine sonotopologische KlangSprachKonsistenzMaschine mit Textlinien von Konrad Bayer Stimmen: Rufus Beck, Peter Fitz, Friedhelm Ptok Komposition und Realisation: Sabine Sch\u00e4fer und Joachim Krebs Produktion: SWR 2002 Ursendung: SWR 2 Radio-Art H\u00f6rspiel, 10. 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